Verein zur Förderung der Pfarrgemeinde Uedelhoven e.V.


Pfarrer Bernhard Witte (1963 - 1989)

Pfarrer Bernhard WitteBereits in einem Artikel in der Chronik zu 850-Jahre Uedelhoven (1986), hat der Verfasser dieses Artikels, Erwin Stein, geschrieben: “Pfarrer Witte wird wohl für längere Zeit der letzte Pfarrer in Uedelhoven sein. Vermutlich wird Uedelhoven mit anderen Pfarreien zu einem Seelsorgegebiet zusammengeschlossen.”

Heute ist diese Vorahnung des Autors längst Wirklichkeit geworden.

Verbindungen zur ersten Kaplanstelle von Bernhard Witte, in Mausbach bei Stolberg, führten zu bisher unbekannten Details aus dem Leben von Pfarrer Witte. Das Ehepaar Esser aus Mausbach hat seine jahrelangen Forschungen zum Thema “Bernhard Witte” vor ein paar Jahren veröffentlicht und Teile daraus dem ‘Weckepeller’, der Uedelhovener Heimatzeitung, zur Verfügung gestellt. Unser Vorstandsmitglied Erwin Stein hat dies zum Anlass genommen, dem geneigten Leser im nachfolgenden Bericht einen Einblick in das Leben uns Wirken des letzten eigenen Pfarrers der Pfarrgemeinde Uedelhoven-Ahrdorf zu geben:

Bernhard Witte wurde am 30. April 1922 als Sohn der Eheleute Bernhard Witte und Franziska, geb. Wenders, in Aachen geboren. Die Familie Witte - und hier besonders Vater Bernhard Witte - betrieb in Aachen eine in hohem Ansehen stehende Goldschmiedewerkstatt. Aus den Aachener Ateliers der Firma Witte stammen wertvolle Kunstarbeiten, die man heute in Kirchen und Klöstern in ganz Europa bewundern kann. Vater Witte war Domgoldschmied des Aachener Marienmünsters, Goldschmied des Heiligen Stuhles und der Apostolischen Paläste.

Was die Familie Witte mit unermüdlichem Fleiße und feinstem Verständnis in jahrzehntelanger Arbeit aufgebaut hatte, zerstörte eine einzige Nacht des Krieges. Der älteste Sohn August, ebenfalls Goldschmiedemeister, der den Betrieb weiterführen sollte, blieb im Krieg.

Bernhard besuchte von 1932 bis 1936 das Kaiser-Karl-Gymnasium in Aachen und von 1936 bis 1942 das Gymnasium St. Michael in Monschau. Dort legte er am 25.03.1942 sein Abitur ab. An der Friedrich-Wilhelm-Universität in Bonn nahm er am Sommersemester 1942 und Wintersemester 1943 teil und studierte Theologie.

Im April 1943 erfolgte seine Einberufung zum Wehrdienst in Posen bei der Infanterie. Kurz vor Kriegsende, am 16. Februar 1945, geriet er in Karelien (Russland) in Kriegsgefangenschaft, aus der er im September 1946 glücklicherweise wieder nach Hause zurückkehren konnte. Dort stand er vor den Trümmern seines Elternhauses. Die Familie Witte zog nach der Ausbombung in das Pfarrhaus des Pfarrers Karl Witte in Schwarzrheindorf bei Bonn-Beuel am Rhein. Karl Witte war ein Onkel unseres späteren Pastors Bernhard.

Ab dem Wintersemester 1946 bis 1949 absolvierte Bernhard Witte in Bonn (Leoninum) seinKommunionfeier in den 1960er Jahren Theologiestudium. Ab 04. September besuchte er das Priesterseminar in Aachen. Bischof Johannes van der Velden weihte Bernhard Witte im Dom zu Aachen am 17. Februar 1951 zum Priester (zusammen u.a. mit Pfarrer i.R. Richard Hahn). Seine erste Kaplansstelle trat der junge Priester Bernhard Witte Anfang 1951 in Mausbach an. Er war dort in der Pfarrei St. Markus tätig. Sein Einsatz, sein Engagement, seine Begabungen und seine Fähigkeiten stellte er dort täglich unter Beweis. Er war in Mausbach seinerzeit bei Jung und Alt gleichermaßen beliebt und geschätzt; er galt allgemein als Freund und bei manchen Jugendlichen als Idol. Heute noch besuchen seine ehemaligen Schüler und Jungministranten aus Mausbach das Grab von Bernhard Witte auf dem Friedhof in Uedelhoven.

Schwerpunkt seiner Kaplanszeit in Mausbach waren unter anderem die Organisation von Ausstellungen, der Aufbau des Büchereiwesens und der Einsatz in der schulischen Bildung und Arbeiten mit der Jugend. Kaplan Witte war bis 1960 in Mausbach tätig. Aus Dank und als Ehrenbezeugung wurde der Weg, der entlang der Mausbacher Kirche zum Pfarrhaus von St. Markus führt, im Jahre 2006 ‘Kaplan-Witte-Weg’ getauft.

Eine zweite Kaplansstelle trat Bernhard Witte im Jahre 1960 in Heinsberg an. Er war dort bis Sommer 1963 in der Pfarrei Sankt Gangolf eingesetzt. Schon lange war es ein Wunsch von Kaplan Witte, dass man ihm eine eigene Pfarrstelle übertrug. In der damaligen Zeit gab es kaum einen Mangel an Priestern und die meisten Pfarreien im Bistum Aachen verfügten noch über einen ‘eigenen’ Pfarrer. Anlässlich einer Familienfeier, so berichtete Bernhard Witte später, zeigte man auf einer alten Bistumskarte auf eine der südlichsten Pfarreien des Dekanates und man sagte ihm: ‘da kommst du einmal hin’. War es nun Scherz, Wunschtraum oder Vorahnung.... tatsächlich übertrug der Bischof von Aachen Kaplan Bernhard Witte am 17. August 1963 die Leitung der Pfarrgemeinde Uedelhoven-Ahrdorf. Dort wurde er am 24. November 1963 unter großer Teilnahme der Bevölkerung eingeführt.

Bernhard Witte in seinem Arbeitszimmer im Pfarrhaus UedelhovenDechant Wiggers (Blankenheim) geleitete Pfarrer Witte zum ‘Empfangsbogen’ an der Schule (in Uedelhoven), wo er von Pfarrer Gau (Lommersdorf) begrüßt wurde. Ebenso sprachen Lehrer Franz Josef Groß, Bürgermeister Josef Kau (Uedelhoven) und Matthias Jakobs (Ahrdorf) herzliche Worte zum Empfang und wünschten ihrem Pfarrherrn viel Glück und Erfolg in seinem neuen Aufgabengebiet. Viele Freunde und Verehrer brachten Pfarrer Witte nach Uedelhoven. Selten erlebte die Kirche einen solchen Andrang. ‘Das kleine Eifeldorf an der Südspitze des Bistums Aachen hatte am Sonntag sein Festkleid angelegt’, berichtete die Zeitung im November 1963.

Von Oktober 1973 bis November 1983 war Pfarrer Bernhard Witte gleichzeitig auch als Dechant im Dekanat Blankenheim - Kronenburg verantwortlich. Während seiner Zeit als Pfarrer wurde er im Pfarrhaus in Uedelhoven von seiner treusorgenden Haushälterin Änne Röben verpflegt. Fräulein Änne stand bei Freud und Leid bis zu seinem Tode, am 04. Dezember 1989, an seiner Seite.

Der plötzliche Tod von Bernhard Witte löste in der Pfarrgemeinde große Trauer aus.

Die Beerdigung von Bernhard Witte fand am 08. Dezember 1989 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in der völlig überfüllten Pfarrkirche Uedelhoven statt.

Schließen möchten wir diesen Bericht mit den sehr bewegenden Worten, die Bernhard Witte sozusagen als Vermächtnis hinterlassen hat. Diese Worte wurden der Pfarrgemeinde im Vorfeld der Beerdigung von Heinrich Reidt übermittelt, der vorübergehend die Leitung der Pfarrgemeinde übernommen hatte.

‘Meine Seele empfehle ich der gütigen Barmherzigkeit Gottes, der mich zu seinem Diener berufen hat,
der innigen Fürbitte der allerseligsten Gottesmutter Maria, die mein Leben so oft sichtbar bestimmt hat,
meines Namenspatrons, des heiligen Bernhardus, der mir Vorbild im Priesterleben war,
dem Gebete aller, denen ich Seelsorger sein durfte...

Alle bitte ich um Verzeihung, die ich jemals gekränkt haben sollte, wie auch ich allen verzeihe, die mich betrübten.

Der mir anvertrauten Jugend möchte ich zuletzt zurufen: Haltet Christus und der Kirche die Treue ! Zeigt Euch bereit, durch Wort und Tat einzutreten für Gott und sein Reich ! Euer echt katholisches Leben soll Beispiel und Ansporn für alle Gutgesinnten sein.

Es lebe Christus,
der Herr unserer Zeit !’